{"id":2103,"date":"2019-01-31T23:23:33","date_gmt":"2019-01-31T22:23:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wandel-verlag.de\/?p=2103"},"modified":"2020-02-13T19:44:29","modified_gmt":"2020-02-13T18:44:29","slug":"choegyam-trungpa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wandel-verlag.de\/de\/choegyam-trungpa\/","title":{"rendered":"Ch\u00f6gyam Trungpa"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2151 alignleft\" src=\"https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa-125x125.jpg 125w, https:\/\/www.wandel-verlag.de\/wp-content\/uploads\/ChoegyamTrungpa.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a>Der ehrw\u00fcrdige <strong>Ch\u00f6gyam Trungpa<\/strong> wurde 1940 in der Provinz Kham in Osttibet geboren. Als er gerade erst dreizehn Monate alt war, wurde er als ein hoher Tulku, die Inkarnation eines Vajray\u0101na-Meisters, erkannt. Nach der tibetischen Tradition ist es einem erleuchteten Meister aufgrund seines Bodhicittagel\u00fcbdes m\u00f6glich, \u00fcber Generationen hin in Menschengestalt wiedergeboren zu werden. Wenn er stirbt, hinterl\u00e4sst er einen Brief oder irgendeinen anderen Hinweis auf den Ort seiner n\u00e4chsten Inkarnation. Sp\u00e4ter sehen sich Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen und andere erleuchtete Meister und Meisterinnen diese Hinweise genau an, und dann gewinnt man aus sorgf\u00e4ltig ausgeloteten Tr\u00e4umen und Visionen die Leitlinien, nach denen der Nachfolger zu suchen und zu erkennen ist. So entstehen bestimmte Linien der Lehre, die sich in manchen F\u00e4llen \u00fcber Jahrhunderte hin fortsetzen. Ch\u00f6gyam Trungpa war der elfte in der Linie der Trungpa Tulkus.<\/p>\n<p>Sobald ein junger Tulku erkannt ist, beginnt f\u00fcr ihn die intensive Schulung in Theorie und Praxis der buddhistischen Lehren. Trungpa Rinpoche (<em>Rinpoche<\/em> ist ein Ehrentitel mit der Bedeutung \u00bbKostbarer\u00ab) begann seine Schulungszeit nach seiner Inthronisation als oberster Abt der Surmang-Kl\u00f6ster und Gouverneur des Surmang-Bezirks; sie sollte achtzehn Jahre dauern, bis zur Flucht aus Tibet im Jahre 1959. Da er ein Tulku der Kagy\u00fc-Linie war, bestand seine Schulung in erster Linie in der systematischen Meditationspraxis und in tiefer Durchdringung der buddhistischen Philosophie. Die Kagy\u00fc-Linie, eine der vier Hauptlinien des tibetischen Buddhismus, wird auch \u00bbLinie der Praxis\u00ab genannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/20\/Trungpa_from_Khenpo_gangshar2_cropped_image.jpg\" alt=\"Trungpa from Khenpo gangshar2 cropped image.jpg\" width=\"185\" height=\"269\" data-file-width=\"185\" data-file-height=\"269\" \/>Mit acht Jahren wurde Trungpa Rinpoche zum M\u00f6nchsnovizen ordiniert. Von da an widmete er sich intensiv dem Studium und der Praxis der traditionellen monastischen Disziplinen, aber auch der Kalligraphie, der Thangka-Malerei und dem Klostertanz. Seine Hauptlehrer waren Jamg\u00f6n Kongtrul aus Sechen und Khenpo Kangshar, zwei f\u00fchrende Lehrer der Nyingma- und der Kagy\u00fc-Linie. 1958, im Alter von achtzehn Jahren, schloss Trungpa Rinpoche seine Studien ab und erhielt den Titel des Kyorp\u00f6n (etwa dem Doktor der Theologie entsprechend) und des Khenpo (Meister der Gelehrsamkeit). Au\u00dferdem erhielt er die volle M\u00f6nchsordination.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4ten f\u00fcnfziger Jahre waren eine Zeit gro\u00dfer Umw\u00e4lzungen und Tumulte in Tibet. Als ganz deutlich geworden war, dass die chinesischen Kommunisten das Land gewaltsam an sich rei\u00dfen wollten, ergriffen viele Menschen, Klosterangeh\u00f6rige und Laien, die Flucht. Trungpa Rinpoche verbrachte viele harte und entbehrungsreiche Monate auf der Flucht durch die Him\u0101laya-Berge; er schrieb dar\u00fcber in seinem Buch Ich komme aus Tibet.<\/p>\n<p>Nur sehr knapp entkam er am Ende den Chinesen und erreichte 1959 schlie\u00dflich Indien. Hier wurde ihm von Seiner Heiligkeit Tenzin Gyatso, dem vierzehnten Dalai-Lama, das Amt des spirituellen Beraters an der Young Lamas Home School in Dalhousie \u00fcbertragen. Er bekleidete es von 1959 bis 1963.<\/p>\n<p>Zu seiner ersten Begegnung mit dem Westen kam es, als er ein Spaulding-Stipendium erhielt, das ihm ein Studium an der Universit\u00e4t von Oxford erm\u00f6glichte. Er studierte dort vergleichende Religionswissenschaft, Philosophie und Kunst. Er studierte au\u00dferdem die japanische Kunst des Blumensteckens und erhielt einen Titel der Sogetsu-Schule. Noch in England begann Trungpa Rinpoche, westliche Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen im Dharma zu unterweisen, und 1968 gr\u00fcndete er zusammen mit Akong Tulku das Samye-Ling-Meditationszentrum in Dumfriesshire in Schottland. In dieser Zeit ver\u00f6ffentlichte er zwei auf Englisch geschriebene B\u00fccher, <em>Ich komme aus Tibet<\/em> und <em>Aktive Meditation<\/em>.<\/p>\n<p>1969 reiste Trungpa Rinpoche nach Bhutan, wo er f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Meditationsklausur ging. Diese Zeit der Zur\u00fcckgezogenheit brachte eine Wende in seinem Selbstverst\u00e4ndnis als Lehrer mit sich. Gleich nach seiner R\u00fcckkehr legte er die M\u00f6nchsgew\u00e4nder ab und kleidete sich nach abendl\u00e4ndischer Art. Au\u00dferdem heiratete er eine junge Engl\u00e4nderin, und gemeinsam \u00fcbersiedelten sie von Schottland nach Nordamerika. Viele seiner fr\u00fcheren Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen waren \u00fcber diese Ver\u00e4nderung schockiert und best\u00fcrzt. Trungpa Rinpoche gab jedoch seiner \u00dcberzeugung Ausdruck, dass der Dharma, wenn er im Westen Fu\u00df fassen solle, frei von allem kulturellen Gepr\u00e4ge und aller religi\u00f6sen Faszination gelehrt werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>In den siebziger Jahren war Amerika in politische und kulturelle G\u00e4rung geraten. Es war eine Zeit der Vorliebe f\u00fcr alles \u00d6stliche. Trungpa Rinpoche kritisierte die materialistische und kommerzielle Pr\u00e4gung der Spiritualit\u00e4t und sprach vom \u00bbspirituellen Supermarkt\u00ab. In seinen Vortr\u00e4gen und in den beiden B\u00fcchern <em>Spirituellen Materialismus Durchschneiden<\/em> und <em>Der Mythos Freiheit<\/em> stellte er die Schlichtheit und Direktheit der Meditation im Sitzen als das Mittel heraus, mit dem sich solche Entstellungen der spirituellen Reise abschneiden lassen.<\/p>\n<p>In den siebzehn Jahren, die er in Amerika lebte, kam er in den Ruf, ein dynamischer und umstrittener Lehrer zu sein. Da er die englische Sprache beherrschte, war er einer der ersten Lamas, die ganz direkt, ohne die Hilfe eines \u00dcbersetzers, mit westlichen Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen sprechen konnten. Auf ausgedehnten Reisen durch Nordamerika leitete er immer wieder Seminare und hielt Hunderte von Vortr\u00e4gen. Er richtete Hauptzentren in Vermont, Colorado und Nova Scotia ein, daneben aber auch viele kleinere Meditations- und Studienzentren in vielen St\u00e4dten Nordamerikas und Europas. Vajra\u00addhatu entstand 1973 als zentrale Verwaltungsinstanz dieses Netzwerks.<\/p>\n<p>1974 gr\u00fcndete Trungpa Rinpoche das Naropa Institute, das dann die einzige akkreditierte Universit\u00e4t buddhistischer Ausrichtung in Nordamerika wurde. Er wirkte hier sehr r\u00fchrig als Dozent, und sein Buch <em>Feuer trinken, Erde atmen<\/em> basiert auf einem Kurs, den er hier leitete. 1976 richtete er das Shambhala-Schulungsprogramm ein, das in s\u00e4kularer Atmosph\u00e4re Wochenendseminare zur Einf\u00fchrung in die Praxis der Meditation im Sitzen anbietet. Sein <em>Buch vom meditativen Leben<\/em> vermittelt einen \u00dcberblick \u00fcber die Shambhala-Lehren.<\/p>\n<p>Trungpa Rinpoche wurde auch auf dem Gebiet des \u00dcbersetzens t\u00e4tig. In Zusammenarbeit mit Francesca Fremantle \u00fcbertrug er <em>Das Totenbuch der Tibeter<\/em> neu ins Englische (ver\u00f6ffentlicht 1975, deutsche Ausgabe 1976). Sp\u00e4ter rief er das Nalanda Translation Committee ins Leben, nicht nur um die Schulungstexte \u00fcbersetzen zu lassen, die seine Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen ben\u00f6tigten, sondern auch um wichtige Schriften einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Trungpa Rinpoche war bekannt f\u00fcr sein Interesse an den K\u00fcnsten und vor allem f\u00fcr sein tiefes Verst\u00e4ndnis der Beziehung zwischen der kontemplativen Disziplin und dem K\u00fcnstlerischen. Er selbst trat k\u00fcnstlerisch durch Kalligraphie, Malerei, Blumenstecken, Gedichte, Schauspiele und Environment-Installationen hervor. Au\u00dferdem schuf er am Naropa Institute eine Atmosph\u00e4re, die f\u00fchrende K\u00fcnstler und Dichter anzog. Die Erkundung des sch\u00f6pferischen Prozesses unter dem Gesichtspunkt der kontemplativen Schulung wird dort heute noch als provozierender Dialog fortgesetzt. Trungpa Rinpoche hat zwei Gedichtb\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht, <em>Mudra<\/em> und <em>First Thought Best Thought<\/em>.<\/p>\n<p>In seinen siebzehn Jahren als Lehrer in Nordamerika schuf er die Strukturen, die n\u00f6tig sind, um eine gr\u00fcndliche und systematische Schulung im Dharma zu gew\u00e4hrleisten. Von den einf\u00fchrenden Vortr\u00e4gen und Kursen bis zu den Gruppenklausuren f\u00fcr Fortgeschrittene liegt bei allen diesen Programmen die Betonung auf der Ausgewogenheit von Studium und Praxis, von Intellekt und Intuition. Dadurch kann jeder Sch\u00fcler seinem Interesse an der Meditation und am Buddhismus \u00fcberhaupt auf dem f\u00fcr ihn angemessenen Niveau nachgehen. Die Hauptsch\u00fcler Trungpa Rinpoches sind bei diesen Programmen als Lehrer t\u00e4tig und geben Unterweisungen f\u00fcr die Meditation. Neben seiner ganz von der buddhistischen Tradition gepr\u00e4gten Lehrt\u00e4tigkeit legte Trungpa Rinpoche auch gro\u00dfen Wert auf die Shambhala-Schulung mit ihren Schwerpunkten: geistige Schulung im Unterschied zu religi\u00f6ser Praxis; Engagement f\u00fcr die Gemeinschaft und Schaffung einer erleuchteten Gesellschaft; und dankbare Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das Allt\u00e4gliche.<\/p>\n<p>Trungpa Rinpoche starb 1987 im Alter von siebenundvierzig Jahren. Zur\u00fcck blieben seine Frau Diana und f\u00fcnf S\u00f6hne. Als er starb, galt er als eine der entscheidenden Gestalten f\u00fcr die \u00dcbertragung des Dharma in den Westen. Sein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr die abendl\u00e4ndische Kultur und die tiefe Vertrautheit mit seiner eigenen Tradition f\u00fchrten zu einem einzigartigen neuen Ansatz f\u00fcr die Lehre des Dharma: Die \u00e4ltesten und profundesten Lehren wurden auf wahrhaft zeitgem\u00e4\u00dfe Weise vermittelt. Trungpa Rinpoche war bekannt als ein furchtloser Verk\u00fcnder des Dharma: ohne alles Z\u00f6gern, nur der Reinheit der \u00dcberlieferung verpflichtet und vollkommen frisch. M\u00f6gen diese Lehren Wurzeln schlagen und zum Wohl aller Wesen aufbl\u00fchen.<\/p>\n<p><em>aus dem Kapitel &#8220;\u00dcber den Autor&#8221; in &#8220;Das Herz des Buddha&#8221; \u00a9 2019 Wandel Verlag<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ehrw\u00fcrdige Ch\u00f6gyam Trungpa wurde 1940 in der Provinz Kham in Osttibet geboren. Als er gerade erst dreizehn Monate alt war, wurde er als ein hoher Tulku, die Inkarnation eines Vajray\u0101na-Meisters, erkannt. 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