Dudjom Lingpa

Dudjom Lingpa (1835-1904) war ein großer Nyingma-Meister des 19. Jhdts., der durch seine Schatztexte und visionären Schriften 20 Schriftenbände füllte. Als anerkannte Emanation des Khye’u Chung Lotsawa, einem der 25 Herzensschüler von Padmasambhava, hatte er bereits seit seiner Kindheit immer wieder visionäre Begegnungen mit geistigen Lehrern in Gestalt von Bodhisattvas, Dakinis und früheren historischen Persönlichkeiten des Dharma wie Saraha oder Longchenpa.

Seine Schriftensammlung wird Dudjom Tersar genannt und umfasst vier Hauptzyklen, von denen drei Geistschätze (gongter) und einer ein Erdschatz (sater) sind. Diese sind:

  • Maha-Ati Yoga Zabchö Gongpa Rangdrol – der Zyklus der tiefgründigen Lehren der Großen Vollkommenheit der selbstbefreiten Absicht;
  • Dagnang Yeshe Drawa – der Zyklus der reinen Vision aus dem magischen Netz der uranfänglichen Weisheit;
  • Chönyi Namkha’i Longdzö – der Zyklus aus der Weite des himmlischen Schatzhauses der Dharmata; und
  • Zabsang Khandro Nyingthig – der Zyklus der tiefgründigen Lehre der Herzessenz der Dakinis.

Die wohl bekanntesten Praktiken sind der Chöd-Zyklus der Thröma Nagmo und der Schatzzyklus des Namchag Putri – der Klinge aus Meteoriteisen (Vajrakilaya). Aber auch ein umfangreiches Dzogchen-Tantra – das Vajra-Herz-Tantra (Nelug Rangjung) – wurde von ihm offenbart und gelehrt. Seine Lehren umfassen ca. 20 Ermächtigungen, angefangen von den drei Aspekten des Gurus – dem friedvollen Lehrer, dem zornvollen Lehrer und dem äußerst zornvollen Lehrer – über die Einweihung in Manjushri und seinen zornvollen Aspekt als Yamantaka. Weiteres finden sich umfangreiche Ermächtigungen in Thröma Nagmo, Thugje Chenpo, Vajrakilaya, Dorje Drolö, Simhamukha, Tamdrin Yangthrö Nagpo, Lama Zhitro, Kagye (Acht Logos-Gottheiten) uvm., sowie kürzere Segensermächtigungen in Vajrapani, Tara, Vajra Varahi, Yeshe Tsogyal, Loden Chogse, den roten Manjushri, Amitayus, Amitabha, Chemchog Heruka usw. Zusätzlich gibt es mehrere Schriftenbände mit Schützerpraktiken und verschiedenen Ritualen dazu, wie z.B. dem Herstellen von Schutzamuletten, Heilpillen, dem Befreien von Tieren o.a.

Zeit seines Lebens konnte sich Dudjom Lingpa keinen dauerhaften materiellen Reichtum erwerben. Er wusste, dass mit dem Dharma kein materieller Wohlstand, dafür aber Befreiung möglich ist. Den »Atem der Dakinis« und die Frische seiner Schatztexte spürt man in der Unmittelbarkeit der Darlegung der Lehre. Man sagt, dass viele seiner Schüler dadurch hohe Verwirklichungen erlangten. Dreizehn verwirklichten aufgrund der Praxis des Thröma-Zyklus auch den Regenbogenkörper. Auch seine acht Söhne wurden als Inkarnationen berühmter Lehrer anerkannt.

Dudjom Lingpa hatte fünf Tulkus: Sönam Deutsen, Dzongter Künzang Nyima, Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje, Tulku Pednam und Tulku Natsog Rangdrol. Da Dudjom Lingpa eine äußerst zornvolle Erscheinung war, baten ihn gegen Ende seines Lebens seine Schüler, dass er in Zukunft etwas sanfter erscheinen möge. Dies versprach er und verwirklichte dies in Gestalt von Dudjom Rinpoche Jigdral Yeshe Dorje, der als einer der größten Dzogchen-Meister und Tertöns des 20. Jhdts. gilt. Dieser hat viele der visionären Texte seiner früheren Inkarnation fertig bearbeitet und unter anderem die strukturelle Gliederung für diesen vorliegenden Lehrtext verfasst.

Möge es von Nutzen sein!

Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) für das Buch Buddhaschaft ohne Meditation

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